Wie gehen wir damit um?

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Verstörende Bilder, wie sie auf beinahe jeder „großen“ Pferdesportveranstaltung zu sehen sind, führen seit Jahren zu Protesten von Pferdefreunden und  befeuern zudem die Forderungen von Tierrechtsorganisationen, den Pferdesport wegen Tierquälerei völlig zu verbieten. Obwohl die Sportreiterverbände diese Missstände regelmäßig verurteilen und Maßnahmen gegen Tierquälerei im Pferdesport ankündigen, hat sich nicht wirklich etwas geändert. Zuletzt gingen die Bilder vom CHIO in Aachen und von den Weltreiterspielen in Tryon durch Presse und soziale Netzwerke und sprechen wieder für sich.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), spricht seit Jahren davon, sich verstärkt für den Tierschutz im Pferdesport einsetzen zu wollen. Das gleiche beteuert auch die FEI als internationaler Reitsportverband. Dennoch hat sich offensichtlich nichts geändert. Weiter so im Pferdesport?

Die VFD spricht sich sehr deutlich für Fairness im Pferdesport aus und gegen den Pferde verachtenden, Pferde verschleißenden und gewalttätigen Umgang.

Tryon und CHIO möchten wir als Verband nicht näher kommentieren, sondern lassen stattdessen namhafte und angesehene Fachleute und Wissenschaftler zu Wort kommen.

Der WDR hat sich in Quark das Geschehen beim CHIO vor Ort in Aachen angesehen und sich mit den Bildern kritisch auseinander gesetzt.
Experten wie die Wissenschaftlerinnen Dr. Margit Zeitler-Feicht, Dr. Kathrin Kienapfel und Prof. Uta König von Borstel,  alle auch Mitglieder im VFD-Fachbeirat Ethik und Tierschutz bewerten die Bilder und die gezeigten „Methoden“ wie grobe strafende Zügeleinwirkung, Rollkur und massiven Sporeneinsatz als außerordentlich belastend für die Pferde. Der Tierarzt Dr. Ulf Stumpe spricht ganz deutlich von Tierquälerei.

Die VFD als größte Vereinigung der Freizeitreiter und –fahrer in Deutschland will aber nicht einfach mit dem Finger auf „andere“ zeigen. Wir wollen, dass sich etwas ändert, dass die Pferde bei jeglicher Beschäftigung und jeglichem Umgang mit ihnen weder Leiden noch Schmerzen, weder Schäden noch Erniedrigung erfahren. Weder im „großen“ Sport, noch im Freizeitbereich. Die Philosophie der VFD:  das Pferd steht im Mittelpunkt, ein respektvoller und fachkundiger Umgang an erster Stelle.

Sehr treffend hat dies der „große“ Sadko Solinski formuliert:

„Dem Freizeitreiter geht es weder darum, Blumentöpfe zu gewinnen, noch darum, in irgendeiner vereinsinternen Erfolgsbilanz zu erscheinen. Er ist weder Berufsreiter, noch Jäger zu Pferd, noch Sportreiter; er reitet höchstens um des Reitens willen, dann allerdings „pferdegemäß“. Dem Freizeitreiter geht es mehr um sein Pferd und dessen Wohlergehen als um den Spaß am eigenen Reiten, er interessiert sich ebenso sehr für Pferdehaltung und Pferdewartung wie für das Reiten.“

Quelle:  „Reiter, reiten, Reiterei:   Die Grundlagen pferdegemäßen Reitens“ 
(erschienen 1993, Olms Verlag,  Seite 133)

Es scheint, dass falscher Ehrgeiz in einem Pferdesport, in dem Medaillen, Preisgelder und Ranglisten im Vordergrund stehen, das Pferd zum reinen Sportgerät degradiert. Dies birgt, neben den für die Tiere inakzeptablen Zuständen, noch eine weitere Gefahr:  Wenn die Tierrechtsorganisationen mit ihrer Kampagne gegen den Pferdesport Erfolg haben, wenn sich nicht sehr bald eine Trendwende abzeichnet hin zu mehr Respekt gegenüber den Pferden und der Ahndung gewalttätiger und unangemessener Behandlung, könnte die Folge sein, dass der Pferdesport in der Gesellschaft generell abgelehnt wird. Das könnte sogar das Ende des Pferdes als lebendes Kulturgut bedeuten.

Es ist aber nicht zielführend, nur ins Horn zu blasen und die Missstände in der Sportreiterei anzuprangern. Wir Freizeitreiter und –fahrer müssen uns auch selbst immer wieder hinterfragen.

Sportreiter auf den Turnieren sind sichtbar. Besucher, Presse und Fernsehen und Soziale Medien sind hautnah dabei. Die schlecht oder gar nicht ausgebildeten Freizeitreiter, die ebenfalls, nur nicht so sichtbar und häufig durch Unwissen, ihren Pferden schaden, sieht die Öffentlichkeit hingegen nicht. Wenn es also um Fairness im Pferdesport geht, gilt das für alle, ob Freizeitreiter oder Champion. Das heißt, wir Freizeitreiter und –fahrer müssen auch bei uns selbst und in unserem Umfeld sehr genau hinschauen. Die VFD thematisiert dies selbstverständlich regelmäßig und macht die pferdegerechte Ausbildung und lebenslange Fortbildung zum Schwerpunkt der Vereinsaufgaben. Der 2016 einberufene Fachbeirat Ethik und Tierschutz bietet der VFD dabei wertvolle Unterstützung. Fairer Umgang mit Pferden – beim Reiten und Fahren, bei Haltung, Fütterung, Betreuung-  geht uns alle an, nicht nur diejenigen, die im Rampenlicht stehen! Lasst uns Vorbilder sein!

Anfang Dezember wird sich der VFD-Bundesvorstand mit den Vereinsspitzen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf treffen, um Lösungen und Wege zu diskutieren, wie Missstände und Tierquälerei im Pferdesport verhindert werden können. Hier müssen die beiden größten Verbände in Deutschland trotz sehr unterschiedlicher Ausrichtung und Interessen gemeinsam und vor allem glaubwürdig agieren. Sonst könnten Pferde in naher Zukunft vielleicht nur noch im Zoo zu sehen sein.

Meinungen zum Thema:

Der Tölt.Knoten Zwischenruf von Silke Hembes 

Dressurstudien im Juli 2018

Bildquelle:  7120109_photo_jpg_s_clipdealer.de

 

Letzte Änderung am Dienstag, 13 November 2018 16:27
Mehr in dieser Kategorie: « Umfrage zu den Printmedien