|
Hier finden Sie das Jahrbuch 2011 der VFD Bayern zur Ansicht als PDF.
Die neue Ausgabe 2012 erhalten Sie ende Februar!
Bitte habt Verständnis, daß der interne Bereich nur für Mitglieder der VFD Landesverband Bayern erreichbar ist.
Fr Mai 18 |
Fr Mai 18 @08:00 - 03:00 |
Fr Mai 18 @10:00 - 05:00 |
Sa Mai 19 |
Sa Mai 19 |
Sa Mai 19 |
Sa Mai 19 |
Sa Mai 19 @08:00 - 03:00 |
Sa Mai 19 @09:00 - 05:00 |
Sa Mai 19 @10:00 - 05:00 |
|
|
In den meisten größeren Ställen findet man die verschiedensten Haltungsformen im Angebot. Es gibt den Offenstall, dann gibt es meist noch Paddockboxen, Boxen ohne Paddock und Innenboxen. Am begehrtesten sind meist die Paddockboxen und der Offenstall und preislich die günstigeste Variante sind die Innenboxen, da sie wenig Frischluft bieten. Aber was hat es nun mit diesem großen Angebot an Unterstellmöglichkeiten auf sich? Ist der Offenstall nicht, wie seit Jahren propagiert, die beste Haltungsform?
Der Urpsrung der Offenstallhaltung kommt – wer hätte das anders gedacht – von Ursula Bruns. In ihrem Ausbildungszentrum in Reken hatte sie bereits in den 60er Jahren mit dieser Haltungsform begonnen. In den 70er Jahren veröffentlichte sie bereits in der Zeitschrift „Freizeit im Sattel“, zusammen mit Marlit Hoffmann, viele Vorschläge für freizügigen Stallbau.
Parallel dazu schrieb Prof. Dr. Urlich Schnitzer in seiner Dissertation eine Entwicklung über die benötigte Boxengröße für Pferde. Damals war die Ständerhaltung noch gang und gäbe! Die uns allen bekannte „Boxenformel“ war geboren: (2 x Widerristhöhe)². Ebenso enthält die besagte Dissertation Vorschläge bezüglich der Fress- und Trinkhöhen, Türen, Außenklappen, die wiederrum auch in Bezug zur Pferdegröße gesetzt sind.
Die Gruppenauslaufhaltung hat in dieser Zeit einen Boom erlebt und für die im Wandel befindliche Landwirtschaft hat sich ein neuer Wirtschaftszweig erschlossen. Ein Erfolg also, der in den 70er Jahren seinen Anfang nahm. Doch die Begeisterung sollte sich in Grenzen halten, denn meist werden die Aufgaben, die eine solche Haltung mit sich bringt, völlig unterschätzt. Dies gilt nicht nur für die Anlage und die Ausstattung, sondern auch für die Betreuung der Systeme. Es gibt zahlreiche Vorurteile bezüglich der Offenstallhaltung. Einige davon sind:
- Offenstallhaltung sei das natürlichste
- Sie ist die kostengünstigste
- Und das zeitsparendste Haltungssystem
Die kann jedoch nicht bestätigt werden, denn:
- „Naturnah lebende Pferde leben in gewachsenen Familiengruppen oder Junggesellengruppen, der Austausch erfolgt innerhalb der grundsätzlich passenden Pferde. Im Gruppensystem sollen einander wildfremde Tiere zusammen gebracht werden, auch ganz verschiedene Pferde, vom Pony bis zum Araber, vom Iberer bis zum Kaltblüter, junge und alte, kräftige und schwache, Stuten und Wallache“(Schnitzer, 2011)
- Selbst großzügigste Auslaufhaltung verfügt nur über begrenzten Platz, während in naturnahen Bedingungen unbegrenzter Raum vorhanden ist. Im Winter stehen meist sogar viele Pferde auf viel zu kleinen Paddocks. Der Individualabstand ist für das einzelne Tier nicht mehr frei wählbar und auch Ausweichen ist nicht immer möglich.
- „Unter naturnahen Bedingungen spielt die Rangordnung bei der Futteraufnahme ebensowenig eine Rolle wie die Notwendigkeit individueller Futterzuteilung. Im Haltungssystem ist es eine besondere Aufgabe, die individuelle Futterzuteilung ohne Einfluss der Rangordnung zu gewährleisten.
Und im Übrigen wollen wir ja aus einem einfachen Grund gar keine natürlichen Verhältnisse: in der Natur gibt es Starke und Schwache und dass der starke sich durchsetzt und der Schwache benachteiligt ist, liegt daran, dass die Arterhaltung das höherrangige Interesse ist. Wir hingegen, als im Tierschutz Engagierte oder als Pferdehalter zielen darauf ab, jedem einzelnen Individuum die gleiche Entwicklungschance zu geben – ein ganz und gar nicht natürliches Anliegen.“(Schnitzer, 2011)
Wenn dann nun diese Haltungsform doch naturnah gestaltet werden will, dann müssen hierfür nicht ganz unerhebliche Voraussetzungen erfüllt werden.
Und genau an dieser Stelle kommt wieder die Boxenformel ans Licht! Boxenformel für einen Offenstall, mag sich hier manch Leser fragen. Genau, denn die Boxenformel gibt Auskunft darüber, wie viel Platz ein Pferd zum Liegen braucht. Will man also mehrere Pferde in einem Raum halten, braucht jedes Pferd entsprechend viel Platz um sich hinzulegen.
Nach Prof. Dr. Schnitzer sollte jedem Pferd – unabhängig von der Gruppengröße – mindestens die einer Box entsprechende Liegefläche zur Verfügung stehen. Ausreichende Liegeflächen sind eine Vorraussetzung für ausrechende Ruhe – und Liegezeiten!
Im Sonderheft „Pferdegesundheit“ (1/12) steht: „300m² Auslauffläche für fünf Pferde.
Die Liegeflächen sollten jedoch keine Sackgassen sein und es muss Alternativen für rangniedere Tiere geben.
Es gab eine Zeit, in der Gummimatten auf den Markt drängten. Sie versprachen kostengünstig zu sein und man könne damit Einstreu sparen. In einer Untersuchung von A. Krapp (2007) und Zeitler-Feicht (2011) wurde jedoch herausgefunden, dass Pferde diese Unterlagen nicht mögen. Sie wird nur durch Anlernen akzeptiert, es sind spezielle Urinierplätze erforderlich – die manche Pferde gegenüber den Softmatten zum Liegen bevorzugen.
Gerade in der Offenstallhaltung wird versucht einer Haltungsform zu entsprechen, die den Bedürfnissen des Pferdes am ehesten entsprechen.
Wie kann es dann sein, dass Einschränkungen zugunsten arbeitswirtschaftlicher Vorteile hingenommen werden und geringe Kosten für Einstreu angesterbt werden? Und dies in einer Zeit, in der man aus Tierschutzgründen darum kämpft, in der Rinderhaltung von der einstreulosen Haltung zur eingestreuten zurück zu kehren. Und nun bei Pferden der umgekehrte Weg?
Oder auch, wie Keinzle sagte: “Als Artgerecht gilt, was Zeit und Geld spart!“
An dieser Stelle möchte der Autor dieses Blattes gewiss nicht die Offenstallhaltung komplett ablehnen. Diese kann, wenn sie korrekt durchgeführt wird auch sehr gut sein. Hierfür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt werden. Wie bereits oben beschrieben, braucht jedes einzelne Tier in der Gruppe eine Liegefläche in der Größe einer Box (nach der Boxenformel). Weitere Voraussetzungen wären jedoch essentiell:
- Die Pferde sollten meist Barhuf sein, damit es bei Rangeleien auf engem Raum nicht zu all zu starken Verletzungen kommt.
- Die Fluktuation sollte gering gehalten werden, da das Eingewöhnen eines neuen Pferdes in die Herde sehr langsam und genau erfolgen sollte.
- Die Pferde müssen in die Gruppe passen.
- Es bedarf eines hochqualifizierten Haltungsmanagements.
- Im Bereich des Auslaufes muss sich eine Krankenbox befinden, damit ein krankes Pferd nicht komplett von der Gruppe getrennt werden muss.
Die Vorteile dieser Haltungsform könnte man wie folgt zusammenfassen:
- Bildung sozialer Strukturen sind ermöglicht.
- Anregung zu Bewegung ist gesteigert.
- Licht- und Luftexposition ist erhöht.
- Sinneseindrücke aus dem Umfeld sind vermehrt.
Die Nachteile sind:
- Erhöhter Stresspegel für rangniedrige und ältere Pferde.
- Nachteile beim Ausruhverhalten.
- Individuelle Fütterung ist erschwert.
- Erhöhte Stresssituationen bei der Eingliederung von neuen Pferden.
Laut Schnitzer ist diese Haltungsform nur geeignet für Betriebe mit Pferden, die gering genutzt werden und leider wird diese Haltungsform oftmals als Alibi für faule Pferdebesitzer verwendet, denn er ist überzeugt davon, dass Offenlaufställe vielen Pferdebesitzern als Ausrede dient sich nicht täglich um die Pferde zu kümmern, was jedoch gerade bei dieser Haltungsform enorm wichtig ist, da meist mehr Verletzungen entstehen, als in anderen Haltungsformen.
Daher entsteht die Frage, was es mit den anderen Haltungsformen auf sich hat. Es gibt noch die Einzelbox mit externem Auslauf und die Paddockbox mit angeschlossenem Kleinauslauf.
Die Vorteile der Einzelbox mit externem Auslauf sind, dass zum einen das Ausruhverhalten ungestört ist und die individuelle Fütterung unproblematisch ist.
Die Nachteile wiederum sind:
- Die Bewegungsfreiheit ist während des Stallaufenthaltes eingeschränkt.
- Tages- und Frischluftexposition ist beeinträchtigt (Verbesserung durch Aussenklappen).
- Soziale Interaktion ist nur unter benachbarten Pferden möglich.
Diese Haltungsform eignet sich für alle Reitsportbetriebe (auch Hengste) und stellt eine Lösung dar, wenn ein Paddockanschluss nicht möglich ist.
Bei der Paddockboxenhaltung muss darauf geachtet werden, dass nur passende Pferde nebeneinander stehen. Hier sind die Vorteile:
- Das Ausruhverhalten ist ungestört.
- Die individuelle Fütterung ist gegeben.
- Der Bewegungsraum ist erweitert.
- Die Licht- und Luftexposition ist gesteigert.
- Die Sinneseindrücke sind durch das Umfeld vermehrt.
Zu den Nachteilen gehört, dass die soziale Interaktion nur unter benachbarten Pferden möglich ist.
Insbesondere sollte hier auch auf die Bedürfnisse älterer Pferde eingegangen werden, die die Möglichkeit haben sollten nachts ungestört zu Fressen und zu Schlafen. Denn oft diese sind die rangniedrigsten in einer Gruppe, wenn sie nicht mehr ganz fit sind. Es liegt in der Verantwortung der Besitzer und Stallbetreiber zu sehen, wann eine Haltungsform vielleicht nicht mehr so angemessen für ein Pferd ist, wie sie es vielleicht früher einmal war.
Antonie Wöckel