Ritt von Athen nach Kassel - Pressekonferenz in Stadl Paura Empfehlung

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Ein Bericht von der Pressekonferenz des Weitwanderritts im Rahmen der documenta 14 von ATHEN nach KASSEL im Pferdezentrum Stadl Paura in Oberösterreich. Von Annette Dokoupil-Gutensohn

„Am 18. Juni fahr ich für die VFD nach Stadl Paura – da ist am 19. früh der Empfang unserer Reiter aus Athen!“ Auf diese meine Ankündigung reagierte mein Mann ähnlich wie ich kurz zuvor: “Wo ist DAS denn??“

Eine ausführliche Antwort gab – wie meist – die Mutter aller Suchmaschinen: Stadl Paura ist ein 5000-Seelen-Ort an der Traun in Oberösterreich, knapp 50 km südwestlich von Linz.

Aha.

Und warum gerade dorthin? Weitere Recherche ergab, dass sich in diesem hübschen Ort neben einem ehem. Bahnhofsgebäude der Pferdeeisenbahn auch das Österreichische Pferdezentrum befindet. Vormals das k&k-Hengstdepot wurde es nach der Privatisierung im Jahr 1998 zum Österreichischen Pferdezentrum. Wobei der ursprüngliche Grund für den Bau der Gebäude noch ein anderer war: Die Stallungen haben die vielen Treidel-Pferde des Salztransportes auf der Traun beherbergt. Heute ist es Ausbildungszentrum des Oberösterreichischen Pferdezuchtverbandes und Austragungsort vieler internationaler Turniere. Hier finden z.B. Europa- und Weltmeisterschaften der unterschiedlichsten Arten statt, so erst kürzlich die Vorausscheidung zum Österreichischen Holzrückechampionat. Auch eine Zuchtanstalt, ein Ausbildungs- und Vermarktungszentrum und eine Schulungs- und Weiterbildungsstelle für die landwirtschaftliche Fachschule Lambach haben hier ihren Sitz.

Ah ja!

Und in dieser beeindruckenden Anlage war also eine Pressekonferenz anberaumt zum Weitwanderritt von Tina Boche, David Wewetzer, Peter van der Gugten und Zsolt Szabo im Rahmen der documenta 14 von Athen nach Kassel. Organisiert wurde das Ganze von unseren österreichischen Partnern „Den Ländlichen“.

Dazu eingeladen war eine Delegation der VFD Bayern – immerhin reiten die Vier unter ideeller Schirmherrschaft der VFD, DEM Wanderreit- und Fahrverband im deutschsprachigen Raum! So trafen wir Delegierte also am Abend des 18. Juni dort ein: unser 1. Landesvorstand Bjørn Rau, ich als Pressewart des LV, Fritz Gangkofner aus Niederbayern in seiner Funktion als Beauftragter für Österreich und Horst Brindel, der sich auf unserer gemeinsamen Anreise als hochkompetenter Stadl Paura Kenner entpuppte.

Natürlich führte unser erster Weg zu den wahren Helden des Rittes, zu den Pferden: Tinas Haflinger Paco, Zsolts Criollo Sanchez, Davids Karabagh Issy Kul, Artvin, dem Kabardiner von Teamchef Peter und dem als eigentlicher Star der Reise geltenden Hermes, einem aufgeweckten grauen Arravani-Hengst. Völlig entspannt finden wir die Jungs auf einer Koppel in Steinerkirchen bei einer Arravani-Besitzerin: Pferde sind so wunderbar völlig frei von Allüren und Dünkel! Zufrieden ihr Abendessen kauend lassen sie sich von uns begrüßen und bewundern. Hermes kräht ganz unheldenhaft immer wieder nach der dort heimischen Arravani-Stute, die uns mit ihrem knapp 3 Wochen alten Fohlen natürlich auch vorgestellt wird: Neugierig und furchtlos lässt sich die Kleine an der Seite ihrer völlig gelassenen Mutter von uns vielen Menschen kratzen und kraulen.

Den Abend verbringen wir supergemütlich bei einem von Internationalität geprägten Erlebnistausch im Hof: da finden sich deutsche Wanderreiter mit deren Schweizer Teamchef Peter, ihre Begleiter Mark aus Schottland und Samuel aus England sowie die östereichischen Stallbesitzer. Gesättigt von Nudelsalat, Brezen, Bratwurst und von den Reitern mitgebrachtem, selbstgemachtem Raki fahren wir Vier spät in unser Quartier im Gästehaus des Klosters Nazareth. Nach einem „Absacker“ geht’s dann eher früh ins Bett: es ist weit nach Mitternacht, als wir unsere vom Austausch eigener Wanderreit-Erlebnissen beherrschten Runde auflösen!

pressekonferenz 19 06 b1Pünktlich zur Pressekonferenz finden wir uns am Montagmorgen bei traumhaftem Wetter im Pferdezentrum ein. Die Reiter und ihre Begleitung sind schon da! Nach einer herzlichen Begrüßung bei Häppchen, Getränken und Sonnenschein durch die Geschäftsführerin von PferdAustria, Frau Dr. Andrea Holzleithner, dem Präsidenten „Der Ländlichen“ Herrn Herbert Gugganig, dem Landesgeschäftsführer Niederösterreich der „Ländlichen“, Rudolf Mrstik, und auch ein paar Worten unseres Vorstandes Bjørn Rau schilderten unsere Wanderreiter ihre Erlebnisse, die sie in Einzelinterviews später noch vertieften. Abschließend wurden als persönliches Gastgeschenk wertvolle Bildbände der „Ländlichen“ und des Pferdezentrums an Reiter und Delegierte übergeben.

Anschließend nahm uns der seit Mai 2015 amtierende Geschäftsführer der Anlage, Herr Ing. Karl Platzer, auf eine Besichtigungstour durch sein Reich mit. Mit von der Partie war auch Edith Herrmann, Mitglied der VFD Bayern mit Wohnsitz in der Steiermark: Sie war es, die unsere Wanderreiter bereits bei ihrer Einreise am Radlpass in Österreich begrüßte.

pressekonferenz 19 06 b2Unser Rundgang führte uns durch die historischen Stallgebäude, in denen uns Pferde der verschiedensten Rassen begrüßten: blonde Haflinger, getupfte Noriker, schlanke Shagya-Araber und edle Warmblüter. In der imposanten Reithalle erläuterte er uns u.a. die Qualität des aus Deutschland stammenden Hallenbodens und die hochmoderne Technik. Weitere drei Hallen, dabei auch die noch gut erhaltene ehem. k&k- Halle von 1890, großflächige Reitplätze sowie eine Rennbahn und ein weitläufiges Vielseitigkeitsgelände sind auf dem mehr als 12 Hektar großen Areal untergebracht. Die denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude und die alte Schmiede, die auch heute noch Ausbildungsplatz für neue Hufschmiede ist, vervollständigen die Anlage. Alles in allem eine beindruckende, gepflegte, fast parkartig wirkende historisch gewachsene Stätte! Man gestatte mir an dieser Stelle jedoch die Anmerkung, dass bei allem Luxus die lediglich drei Sandkoppeln, die zusammen geschätzt die Fläche eines mittleren Reitplatzes einnehmen und mit je nur einem Pferd besetzt waren, einen etwas faden Beigeschmack hinterließen... Wobei sich ungenügende Koppelanlagen leider in vielen Staatsgestüten wiederholen, so z.B. auch in Avenches/ Schweiz und Moritzburg und Dillenburg in Deutschland.

pressekonferenz 19 06 b3Nach der Führung verabschiedeten wir und das Reiterteam uns wieder in Richtung Steinerkirchen, wo der restliche Nudelsalat und leckerer Marillenkuchen auf uns wartete. Nachmittags gab es auf spontane Initiative unseres begeisterten Fahrers Horst Brindel und durch Vermittlung der netten Wirtin unseres Wanderreiterteams noch ein außerplanmäßiges Extra: Wir durften die private Kutschensammlung eines bekannten österreichischen Speditionsunternehmers besichtigen. Da standen dicht an dicht ein herrschaftlicher Schlitten, ein ungarischer Korbwagen, ein Doktorwagen, ein Leichenwagen und vieles mehr!

pressekonferenz 19 06 b4Zu jedem der zumeist gut erhaltenen Fahrzeuge wussten die beiden eine ganz individuelle Geschichte zu erzählen. Das sehr nette Ehepaar stellte uns auch seinen kleinen Esel sowie seine Pferde vor: ein Wallach und wunderbare ungarische Gidran-Stuten! Leider mussten wir uns nach einer guten Stunde dann doch wieder auf den Heimweg machen, so dass wir uns von den beiden und auch uns voneinander verabschiedeten und diese so interessanten 1 ½ Tage schon ein Ende hatten.

Wir wünschten dem Team um Peter van der Gugten noch einen erfolgreichen Weiterritt, uns gegenseitig gute Heimfahrt und freuen uns nun auf ein Wiedersehen in Bischofsreut und am 9. Juli in Kassel auf der dokumenta!

Annette Dokoupil-Gutensohn

Fotos: Edith Hermann/ Annette Dokoupil-Gutensohn

Mehr Infos und aktuelle News zum Ritt und zu unseren Partnern in Österreich:

http://www.theathenskasselride.eu

https://www.dielaendlichen.at

https://www.pferdaustria.info

https://www.pferde-stadlpaura.at

http://engelwirth.wordpress.com