Berittenes Bogenschießen auf der Frankenpferd

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Susanne Lutz

Vom 2.-4.7.2010 fand zum ersten Mal die regionale Pferdemesse Frankenpferd auf Gut Ebenroth in Arnstein statt. Nun ja, ich war in meinem Leben schon auf so vielen Messen und Ausstellungen, daß inzwischen eine gewisse Müdigkeit hinsichtlich solcher Veranstaltungen bei mir eingetreten ist. Dann allerdings erfuhr ich von Zoltán Némethy und Nicola Reiff, daß auch die ungarischen Bogenschützen dort vertreten sein werden und meine Messeunlust verpuffte sofort und nun war ich unbedingt daran interessiert, doch hinzufahren. Im Routenplaner nachgeguckt wo dieses Arnstein liegt – aha, Richtung Würzburg, oje, 335km von mir entfernt und das bei der angesagten Hitze. Aber für mich führte plötzlich kein Weg mehr an der Frankenpferd vorbei, war ich doch brennend am Berittenen Bogenschießen interessiert und wollte das ganze einmal live erleben. In der Vergangenheit hatte ich mich ja schon im Bogenschießen versucht, zwar ohne Anleitung und noch ohne Pferd, aber ich fand, inzwischen ging es recht gut. Trotzdem kam ich irgendwie nicht weiter und die Situation war unbefriedigend geworden. Da konnte ich die Chance, die Némethys kennenzulernen und mir vielleicht Tipps zu holen, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also habe ich Nicola, die sich die Mühe gemacht hatte und vorher eine Rundmail rausgeschickt hatte, geantwortet, daß ich am Samstag vorbeikommen würde.

 Nach einer dreieinhalbstündigen Fahrt in sengender Hitze in einer Blechdose ohne Klimaanlage, kam ich einmal durchgegart auf Gut Ebenroth an, das ich sofort gefunden habe, da es perfekt ausgeschildert war. Das etwas abgelegene Gut mit seinen weitläufigen, teilweise schon historisch anmutenden Gebäuden und dem Kopfstein gepflasterten Innenhof liegt traumhaft auf einer Art Hochebene mit weitem Blick in das Umland.

Nachdem ich Eintritt bezahlt hatte, habe ich mich mit Lageplan, Pfeil und Bogen bewaffnet auf die Suche nach dem VFD-Stand gemacht, der strategisch günstig auf dem Weg zum Showring lag. Da angekommen, hat Nicola meinen suchenden Blick aufgefangen, mich begrüßt und mich mit einigen der anwesenden VFD’ler bekannt gemacht denn bis zu diesem Zeitpunkt kannte dort niemanden, Nicola eingeschlossen. Aber das war kein Thema, ich hatte schnell das Gefühl, mit dabei zu sein. Es hat auch gar nicht lang gedauert und wir sind zum aufgebauten Schießstand gegangen, der aus zwei Zielscheiben mit Pfeilfangnetzen bestand. Nicola hat sich meiner angenommen und mir vieles geduldig und engagiert erklärt und bereits da hat mir gedämmert, daß ich doch einiges anders mache. Zu diesem Zeitpunkt hat mich das aber noch nicht besonders gestört, immerhin habe ich ja die Zielscheibe getroffen, sogar häufig in die Mitte und kaum ein Pfeil ging daneben und ich war stolz auf mich. Aber wie das so ist, mit dem Hochmut und dem Fall…. er kommt bestimmt.

Plötzlich waren viele Leute um uns herum, Zuschauer wurden durch unser Üben angelockt und „die Ungarn“ waren auch irgendwoher aufgetaucht – ich war so ins Üben vertieft, daß ich sie erst bemerkt habe, als sie bereits da waren. Nicola hat mich mit Zoltán bekannt gemacht, mit dem ich ja vorab schon hin- und hergemailt hatte und der mir auf Alexandra Gerlichs Vermittlung hin einen Bogen und Pfeile aus Ungarn geschickt hatte. Nicola hat dann Interessenten unter den Zuschauern betreut und ihnen die Grundlagen erklärt, woraufhin sie sich dann auch in der Praxis erproben konnten. Die VFD-Leihbögen gingen von Hand zu Hand und vielleicht hat manch einer ein neues Hobby für sich entdeckt. Ich muß noch dazu sagen, daß es immer sehr diszipliniert zuging, was ja auf der Hand liegt, schließlich wird scharf geschossen. Die Pfeile z.B. wurden erst auf Freigabe des Aufsichtsführenden von den Zielscheiben und aus dem Fangnetz geholt. Und auch da wird einem sofort Umsicht beigebracht, nicht, daß man jemandem der hinter einem steht, beim Lösen des Pfeils aus der Zielscheibe noch ein Auge aussticht.

Trotz des Trubels, der manchmal am Schießplatz herrschte, wurde es nie unübersichtlich. Die Ruhe und Umsicht hat eindeutig die ungarische Truppe um die Némethys hereingebracht, die ebenfalls sehr engagiert Interessenten am Berittenen Bogenschießen betreut hat. Selbst die gelegentliche Sprachbarriere war kein Problem, es fand sich immer jemand unter ihnen, der das Ungarisch eines Kameraden ins Deutsche übersetzen konnte. So bekam auch ich vorab schon einige wertvolle Hinweise bevor das ganz dicke Ende für mich kam in Gestalt von Zoltán Némethy, der mir in einer ruhigen Minute eröffnete, daß ich so gut wie alles falsch machen würde. Mir blieb der Mund offen stehen…

 Aber jetzt kam erst einmal die Präsentation des Berittenen Bogenschießens für den VFD durch die Ungarn im Showring. Und es wurde eine tolle Vorführung! Ich hatte so etwas ja vorher noch nie gesehen und war erstaunt, wie selbst die teilnehmenden Kinder unter den Schülern der Reiterbognerschule der Némethys eine Ruhe und Souveränität ausstrahlten und mit einer Präzision und Schnelligkeit die Ziele trafen als sei das alles ganz selbstverständlich. Und dabei hatte ich die Insiderinfo, daß die Gruppe vorher keine Zeit gehabt hatte, zusammen zu üben und einige neue Leute dabei waren. Ich saß im Publikum und habe gemerkt, wie die Leute schon von Beginn der Vorstellung an mitgerissen wurden, genau wie ich selbst auch. Und als dann Europameister Christoph Némethy auf dem galoppierenden Pferd seine Kunst des Berittenen Bogenschießens vorgeführt hat und zum Abschluß auf in die Luft geworfene Äpfel geschossen hat, gab es von allen begeisterten Applaus.

 Auch ich war von der Vorstellung fasziniert! So gut wie die Némethy-Truppe möchte ich auch mit dem Reiterbogen umgehen können. Dieser Gedanke brachte mich zurück auf den Boden und zu meinen Problemen beim Bogenschießen. Sie sollten nicht ungelöst bleiben, denn später nahm sich Zoltán Némethy für mich Zeit und begann mir zu erklären, was wichtig am Berittenen Bogenschießen ist. Daraus wurde über eine Stunde teilweise intensiven Übens und mir wurde langsam klar, was ich lange verdrängt hatte. Nur drauflos schießen mag zwar, wenn man Glück hat, vorübergehenden Erfolg bringen, aber der wird spätestens sein Ende finden, wenn man es aus der Bewegung oder gar vom Pferd aus probiert oder an plötzlich auftretenden körperlichen Problemen scheitert. Nun ja, ich hatte nach dem Üben daheim schon manchmal Rückenschmerzen oder einen blauen Arm, einmal habe ich mir sogar den Finger etwas aufgerissen und ja, eine konstante Schießleistung habe ich nie erbracht. Ich war inzwischen sogar etwas frustriert, weil ich gemerkt hatte, daß ich nicht vorankam. Mal habe ich direkt ins Zentrum der Scheibe getroffen, beim nächsten Schuß ging der Pfeil an der Scheibe vorbei. Ich konnte mir das nicht erklären. Zoltán und der ein oder andere ungarische Bogenschütze, der sich meiner während des Übens auf der Messe annahm, konnten es schon und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Immer wieder wurde die richtige Technik betont, die man so lange üben muß, bis sich gewisse Bewegungsabläufe automatisieren und man sie aus dem Schlaf heraus macht ohne einen Gedanken daran verschwenden zu müssen. Dann und erst dann kann man auf Variable reagieren, wie sie z.B. ein galoppierendes Pferd mit sich bringt, der Übergang vom statischen Schießen zum Schießen aus der Bewegung, die unterschiedlichen Perspektiven auf das Ziel, die Windverhältnisse usw. Ich habe begriffen, mir fehlt die korrekte Technik, angefangen beim richtigen Halten des Bogens und der Pfeile. Jetzt ist mir klar, warum ich nicht weitergekommen bin. Die richtige Technik ist der Schlüssel um das Handwerk zu erlernen und dieser Schlüssel öffnet einem, wenn die Zeit reif ist, die Tür zur Kunst. Und ich habe noch etwas begriffen, es ist überhaupt nicht langweilig und zäh, sich mit der Technik zu befassen und sie zu üben. Es macht sogar einen Riesenspaß! Die Tür am Ende des Korridors, für die man sich den Schlüssel erst selbst erarbeiten muß, diese Tür ist ein enormer Ansporn. Und ich ahne schon, danach geht es erst richtig los…

Auf der Heimfahrt am Abend war ich froh, mich aufgerafft zu haben und die lange, schweißtreibende Anreise in Kauf genommen zu haben. Ich habe viel gelernt und an erster Stelle steht für mich, daß ich neue, nette Menschen kennengelernt habe, in deren Gesellschaft ich mich sehr wohlgefühlt habe. Ich bin sicher, es sind Kontakte dabei, die nicht abreißen werden, denn hier zuhause auf dem Hof wird es mit dem Berittenen Bogenschießen weitergehen. Außerdem werde ich mir hier mit der Zeit eine Bahn aufbauen, auf der ich dann trainieren kann. Es wird langsam gehen aber es wird sich hier weiterentwickeln, dessen bin ich mir ebenfalls sicher und jeder, der Lust hat mitzumachen, ist eingeladen. Als nächstes würde ich hier (in der Nähe von Andechs) im Herbst gerne ein Einführungsseminar mit den Némethys organisieren, aber das muß ich noch absprechen. Und wenn ihr jetzt Lust auf ein Reinschnuppern in diesen wundervollen Sport bekommen habt und Interesse an einem Seminar mit Europameister Christoph Némethy habt, könnt ihr euch gerne bei mir melden ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

Abschließend möchte ich den engagierten VFD’lern danken, die vor Ort durch ihre ehrenamtliche Arbeit erst die Präsentation des Berittenen Bogenschießens auf der Frankenpferd durch die Némethys möglich gemacht haben. Dank auch an Zoltán und Christoph Némethy und den Schülern ihrer Reiterbognerschule, die die weiteste Anfahrt von allen in Kauf genommen haben um ihre Kunst einem breiten Publikum vorzuführen.

Die Pferdemesse Frankenpferd auf Gut Ebenroth hatte ihre Premiere und fand zum ersten Mal statt und man kann nur hoffen, daß sie nächstes Jahr auch in die zweite Runde gehen wird, nachdem die Veranstalter die eine oder andere Lehre aus leichten Organisationsmängeln gezogen haben auf dieser ansonsten rundum gelungenen Veranstaltung.